fitnesslifestyle - meine wahrheit

Viele Jahre habe ich Zeit damit verschwendet Kalorien zu zählen, streng auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten und meine Woche streng nach Fitness und co. auszurichten. Der "Fitnesslifestyle" meint so einige Dinge... Proteinprodukte essen, nach einem Trainingsplan trainieren, Vorbereiten der Mahlzeiten durch sogenanntes "Mealprep" und das Halten an eine bestimmte Ernährungsform. Ich hab einige durch: Nach WeightWatchers hab ich es mit LowCarb sowie HighCarb probiert sowie 3 Jahre lang streng vegan gegessen. Ich sehe mich noch genau, wie ich mich freute, als ich endlich fettige Sachen essen "durfte", weil ich ja nun auf Kohlenhydrate verzichtete und fettige sowie proteinreiche Sachen verehrte. Diese Phase dauerte einige Wochen, bis ich abends Hunger hatte und überlegte, noch eine Paprika zu essen. Mit dem Blick in die Kalorienzähl-App traf mich der Schlag. So viele Kohlenhydrate in dieser Paprika - um Gottes Willen, das sprengt mein Tages-Budget. Ich legte die Paprika zurück und ging zurück ins Wohnzimmer. Plötzlich wurde mir klar, so kann es nicht weiter gehen. Ich bekam Angst: Angst vor meinen eigenen Gedanken, Angst vor meinem Essverhalten, Angst in eine Essstörung zu geraten... Ich beschloss der LowCarb-Sache ein Ende zu setzen und wollte ab nun wieder alle Lebensmittel essen - jedoch nur, solange sie in mein Kalorienbudget passen und mit meinem Fitnesslifestyle vereinbar sind - selbstverständlich.

rAUS AUS DEM FITNESSWAHN

Fast 6 Jahre dauerte es, bis ich verstand in was ich mich da Woche für Woche, Monat für Monat manövriert hatte. Begonnen hatte alles kurz nach der Abnahme mit WeightWatchers, denn obwohl ich 20kg abgenommen hatte, fühlte ich mich immer noch nicht wohl. Mein Selbstbild veränderte sich eher zum Schlechten, denn durch die Medien, den Druck durch das angebliche Schönheitsideal und eine völlig verzerrte Wahrnehmung kontrollierte ich immer wieder meinen Bauch, mehrmals täglich um sicher zu gehen, dass ich nicht zugenommen hatte. Ich bemerkte es viele Jahre nicht, was ich mir täglich für Druck machte und wie oft ich allein Fressanfällen erlegen war, die keiner bemerkte. Ich hasste mich dafür, glaubte ich sei ein Versager und wollte es am nächsten Tag unbedingt besser machen. Immer wieder wollte ich einen Neustart machen, wollte es endlich schaffen. Nach den Fressanfällen versuchte ich alles wieder mit Sport auszugleichen, machte mir neue Pläne, schrieb mir meine Ziele immer und immer wieder auf und landete einige Tage später wieder beim Übermäßigen Essen bis mir schlecht wurde. Erst nach 5 Jahren des Kalorien Zählens wurde mir endlich klar - ich will da raus - aus aus dem Fitnesswahn.

FRIEDEN SCHLIEßEN MIT DEM EIGENEN KÖRPER

Monate vor meiner Hochzeit hatte ich dieses eine Ziel: Ich wollte endlich mein Traumgewicht erreicht haben, sexy, fit und schlank sein. Ich erarbeitete mir einen Plan über Monate, malte meinen Jahreskalender bunt an und schrieb mir immer wieder verschiedene Pläne und Ideen an die Seite, wie ich es endlich schaffen kann glücklich zu sein. Die Wochen vor der Hochzeit waren jedoch alles andere als entspannt. Ich hatte Fressanfälle aus Stress, hasste mich dafür, dass ich keine Zeit für Sport hatte und meinen Plan nicht einhalten konnte. Durch einen doofen Zufall konnte ich den Schneidertermin für mein Brautkleid nochmal einige Wochen heraus schieben, sodass mir wieder mehr Zeit blieb endlich noch etwas abzunehmen, doch es kam zum Glück ganz anders.

Wenige Wochen vor dem Schneidertermin trainierte ich gerade, als mir wieder einmal bewusst wurde, wie sehr ich mich quäle, nur weil ich kurz vorher wieder einen Fressanfall hatte. Ich setzte mich auf meine Trainingsmatte und mir wurde klar... all das was ich die ganze Zeit nach außen trage, dieses Durchhaltevermögen, das Ehrlichsein und die unbändige Motivation sowie den perfekten Fitnesskörper gibt es nicht. All das darf ein Ende haben, denn ich darf mich lieben, ich darf mich wohlfühlen und ich darf endlich glücklich sein - auch ohne noch weiter abzunehmen. 

Ich beschloss endlich Frieden zu schließen mit meinem Körper.